sponsorlist
Fünf Leben. Ein Tag. Eine Nacht.
Fragen und Antworten mit Holger Ernst (Regie/Drehbuch)

Holger Ernst

1 Q: Warum wählten Sie als deutscher Regisseur für Ihre Geschichte gerade die USA als Schauplatz?

Holger Ernst: Film ist eine universale Sprache. Zwischenmenschliche Probleme und Emotionen sind universal, egal welchem Kulturkreis ich entstamme. Wir leben in einer globalisierten Welt, und internationale Politik hat lokalen Einfluss.

Es gibt natürlich Gründe die mich dazu bewegt haben, THE HOUSE IS BURNING in den USA zu realisieren. Dazu gehört mit Sicherheit, das ich einige Jahre in den USA gelebt habe, mit Jugendlichen dort Umgang hatte, auch Kids kennengelernt habe, die zur Army gingen bzw. auch im Irak gedient haben. Aber diese Figuren und Probleme gibt es überall auf der Welt. Das ist keine Frage der Nationalität. Letztlich sehe ich als Filmemacher Charaktere, Emotionen und Messages immer auch aus einer dramaturgischen Sichtweise. Neben der Figuren-Konstellation hat mich natürlich gerade die Möglichkeit interessiert, mein Hauptthema; die Suche nach Identität, Perspektivlosigkeit, die Frage: „wer bin ich, was will ich sein?“, die Auswirkungen von sozialem Umfeld und persönlichen Entscheidungen zu konzentrieren und den Konflikt der bei Familie, Freundschaft und Beziehung beginnt vor dem Kontext eines internationalen, politischen Konflikts zu erzählen.

2 Q: Ein Baustein des Films ist, dass unsere moderne Gesellschaft durch Ihre scheinbare Gleichgültigkeit bzw. Kaltblütigkeit immer mehr Menschen ausschließt. Welches sind Ihrer Meinung nach die Ursachen?

Holger Ernst: Wir leben in einer kapitalistischen Welt, mit allen Vor- und Nachteilen. Wir haben uns in den Wohlstandsländern in dieser Situation eingerichtet und merken eigentlich nicht, dass die Kluft zwischen Arm und Reich, zwischen einer Zukunft und Perspektivlosigkeit immer grösser wird. Das passiert einerseits auf internationaler Ebene, andererseits auch im System selbst. Soziale

Ungerechtigkeit existiert und es macht keinen Sinn die Augen davor zu verschliessen, im Gegenteil. Der Mensch zählt wenig, wenn es nur um Gewinn-Maximierung geht: er wird zum Kostenfaktor bzw. Produkt.

Im Kontext von THE HOUSE IS BURNING geht es mir um die Frage, was für Optionen die Gesellschaft stellt bzw. was sie aus uns macht. Die Rückschlüsse überlasse ich dem Zuschauer.

3 Q: Haben die Charakere in THE HOUSE IS BURNING überhaupt eine Chance?

Holger Ernst: Das ist eine schwierige Frage. Jede der Figuren folgt ja der eigenen Logik für eine bessere Zukunft. Also jede der Figuren auf seine Art? Ja und Nein. Und da beginnt ja auch die moralische Entscheidung des Zuschauers. Ich bin kein Lehrer oder Priester; ich habe nicht die Antworten, aber viele Fragen.

>4 Q: Gibt es entsprechende Probleme und Schicksale auch in Deutschland?

Holger Ernst: Die individuellen und gesellschaftlichen Probleme existieren hierzulande im gleichen Maße. Jugendliche hier haben die gleichen familiären und emotionalen Probleme und Zukunftsängste. Soziale Ungerechtigkeit, Jugendarbeitslosigkeit, Perspektivlosigkeit, Gewalt, Drogen, Generationen-Konflikte; das sind aktuelle Themen auf die wir in Deutschland, auf persönlicher als auch politischer Ebene, Lösungen werden finden müssen. Erst in den letzten Jahren sind wir durch die Aktualitäten etwas aus unserer deutschen Wattebausch-Mentalität aufgerüttelt worden. Die Probleme sind auf dem Tisch und werden sich nicht mehr einfach wegdiskutieren lassen.

5 Q: Als Ensemble-Stück hängt bei THE HOUSE IS BURNING alles von den Schauspielern ab. Wie kamen Sie zu ihrem Cast?

Holger Ernst: Das war schon eine grosse Herausforderung. Ich wollte einen jugendlichen Cast der authentisch wirkt; d. h. unverbrauchte Gesichter. Ich wollte das passende Gesicht und das passende Talent. Und so habe ich, zusammen mit meiner Casting-Direktorin Caroline Sinclair, monatelang über 1500 Kids gecastet.

Joe Petrilla und Harley Adams sind hervorragende junge, ausgebildete Actors, die hier ihre ersten Film-Hauptrollen präsentieren. Mit Nicole Vicius, Robin Taylor und Julianne Michelle haben wir junge Schauspieler gefunden, die filmische Erfahrung und ein riesiges Talent mitbrachten und in vielen Situationen Szenen auch führen konnten. Letztlich haben wir alle unglaublich viel von und miteinander gelernt. Wir haben uns emotional in die Situationen geworfen und ich bin stolz auf meine Schauspieler und ihre Leistungen.

Für die Rolle der Eltern konnten wir renommierte Schauspieler gewinnen und ich bin stolz und glücklich mit Schauspielern wie Melissa Leo, John Diehl, Bernadette Quigley, etc. gearbeitet zu haben. Das ist schon ein Traum der da für mich wahr geworden ist.

Eine Produktion wie Reverse Angle im Rücken zu haben hat natürlich sehr geholfen. Peter Schwartzkopff und Wim Wenders haben mir grosse Freiheiten und Vertrauen geschenkt, mich in meiner Vision unterstützt und viele Türen geöffnet. Ohne ihren Support und internationale Erfahrung wäre dieser Film so nicht möglich gewesen.